Natura Trail „Kühkopf - Hotspot der Artenvielfalt"

Der Natura Trail ist ein 6,9 km langer Rundweg mit Startpunkt Hofgut Guntershausen. Das Befahren der Rheininsel Kühkopf mit PKWs ist nicht erlaubt, bitte den Parkplatz Stockstädter Brücke nutzen!

Der Natura Trail entstand aus einer Kooperation der NaturFreunde Hessen und des Umweltbildungszentrum "Schatzinsel Kühkopf". Er liegt in der Verantwortung der NaturFreunde Groß-Gerau und wurde konzipiert von Horst Hartmann (NaturFreunde) und Ralph Baumgärtel (Umweltbildungszentrum).

  Logo Schatzinsel Kükopf

Karte Kühkopf

© Regierungspräsidium Darmstadt

Der auf der Karte gelb eingezeichnete Weg hat die Markierung: „Hirschkäfer“. Insgesamt 16 Tafeln informieren zu der Natur vor Ort. Zusätzlich ist im Umweltbildungszentrum eine Broschüre erhältlich, die speziell Natura 2000-Themen dieses Weges beschreibt.

Umweltbildungszentrum Schatzinsel Kühkopf

Das Umweltbildungszentrum (UBZ) Schatzinsel Kühkopf versteht sich als Eingangstor zu Hessens größtem Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue, das auch Teil der Natura 2000 Gebietskulisse ist. Es ist Bestandteil eines gebietsbezogenen Besucherlenkungssystems mit dem Anspruch, den Besuchern die Eigenart und Schönheit der Hessischen Rheinauenlandschaft nahezubringen und gleichzeitig den Schutzzweck des Gebietes zu fördern.

Im Rahmen von interaktiven Dauer- und Wechselausstellungen erleben die Besucher die Auenlandschaft am Rhein aus sehr unterschiedlichen Perspektiven. Dabei spielen naturwissenschaftliche, historische, aber auch gestalterische und ökonomische Aspekte eine Rolle. Das Thema „Nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen“ zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausstellungen.

Das Umweltbildungszentrum ist gleichzeitig ausgezeichnetes westliches Eingangstor zum UNESCO Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald, mit dem es eng kooperiert. Es arbeitet nach den Grundsätzen der Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Träger des UBZ ist das Regierungspräsidium Darmstadt, es wird betrieben durch Hessen-Forst, Forstamt Groß-Gerau.

Kontakt

Umweltbildungszentrum Schatzinsel Kühkopf (UBZ)

mit Dauer- und Wechselausstellungen Hofgut Guntershausen,

Außerhalb 27, 64589 Stockstadt am Rhein

eMail: fsxfcxfhxfaxftxfzxfixfnxfsxfexflxf-xfkxfuxfexfhxfkxfoxfpxffxfØxffxfoxfrxfsxftxf.xfhxfexfsxfsxfexfnxf.xfdxfex

www.schatzinsel-kuehkopf.de

Kühkopf-Knoblochsaue

Mit ca. 2400 ha ist die Rheinuferlandschaft Kühkopf-Knoblochsaue Hessens größtes Naturschutzgebiet, gleichzeitig Europareservat für den Vogelschutz und als FFH-Gebiet und Teil des EU-Vogelschutzgebietes „Hessisches Ried mit Kühkopf-Knoblochsaue“ Bestandteil des EU-Schutzgebietsnetz Natura 2000.

Der Kühkopf, der seine Insellage einem künstlichen Rheindurchstich im Zuge der großen Rheinkorrektur im 19.Jahrhundert verdankt, weist eine Vielzahl von Arten und Lebensräumen auf, die europaweit bedroht sind. Dort werden Lebensräume und Arten der Rheinauen geschützt, die früher für die Überschwemmungslandschaften des Rheins repräsentativ waren. Heute befindet sich gerade noch einmal 1 Prozent der deutschen Flussauen in einem naturnahen Zustand. Der Kühkopf ist eines von drei großen Auenschutzgebieten in Mitteleuropa, die noch großflächig an das Abflussgeschehen des Flusses angeschlossen sind.    Kopfweiden
  Kopfweiden im Herbst, Foto: Horst Hartmann

Ein- bis zweimal im Jahrzehnt wird das gesamte Gebiet überflutet, der Wasserstand vor Ort schwankt um 7 m, das Grundwasser um mehr als 2 m. Hier findet noch großflächige Sedimentation statt, kleinflächig erodiert der Rhein an den Ufern. Diese Überflutungsdynamik prägt eine ganz besondere Struktur- und Artenvielfalt. Spezialisten gewinnen, Allrounder können versagen. Nirgends in Mitteleuropa ist die Biodiversität größer als in den Flussauen. Gleichzeitig erfüllen die naturnahen Überschwemmungsgebiete am Rhein eine wichtige Funktion beim Hochwasserschutz. Sie halten Wasser auf der Fläche zurück und mindern so die Hochwassergefahr für die Unterlieger.

EU-Projekt Natura 2000

Mit derzeit über 27.000 Schutzgebieten auf fast 20 Prozent der EU-Fläche ist Natura 2000 das größte grenzüberschreitende, koordinierte Schutzgebietsnetz weltweit. Natura 2000 listet mehr als 1.000 gefährdete Arten, also Tiere und Pflanzen, auf. Voraussetzung zu deren Schutz ist der Erhalt der speziellen typischen Lebensräume, die Grundlage ihrer Existenz sind.   Natura 2000

Deshalb benennt Natura 2000 eine Reihe von schützenswerten charakteristischen Lebensraumtypen, insgesamt 231, von denen 42 in Hessen vorkommen. Die Natur macht nicht vor Ländergrenzen halt, Naturschutz kann nur im großen Maßstab das Artensterben auf der Fläche verhindern. Mit Natura 2000 hat jedes EU-Mitgliedsland für „seine“ Lebensräume und Arten Verantwortung im Sinne der Biologischen Vielfalt übernommen.

Mag für einen Deutschen der hier häufige Buchenwald „normal“ erscheinen, für eine Lettin oder einen Portugiesen ist es dies nicht – in diesen Ländern gibt es keine Buchenwälder. Da die Lebensräume bestimmten Gefährdungen ausgesetzt sind, werden Erhaltungsziele festgelegt. Von der zuständigen Behörde wird zu jedem Schutzgebiet ein Maßnahmenplan erstellt, um Gefährdungen entgegenzuwirken bzw. Verbesserungen in Richtung der beschriebenen Ziele auf den Weg zu bringen.

Mit Natura 2000 und der EU-Wasserrichtlinie geht die EU einen wichtigen Schritt in Richtung Bewahrung des Europäischen Artenschatzes im Kontext einer Gesamtverantwortung für das Welterbe.

Vogelschutzgebiet Kühkopf

Blaukehlchen   Aufgrund seiner Ausstattung mit vielfältigen und abwechslungsreichen Lebensraumtypen besitzt der Kühkopf eine herausragende ornithologische Bedeutung. Das gilt sowohl für Brutvögel wie Blaukehlchen und Schwarzmilan als auch für Gastvögel wie Fischadler und nordische Entenarten.Leitbild für die Schutzmaßnahmen ist die Stärkung des überregionalen Auen- und Stromtalverbunds als Grundlage für die regelmäßige Anwesenheit einer Vielzahl seltener, hochgradig gefährdeter und landesweit bedeutsamer Vogelarten
Blaukehlchen (Luscinia svecica), Foto:
Corine Bliek/Flickr(CC BY-NC-ND 2.0)
 

Die Weichholzaue 

Ein typisches Landschaftselement an den Flussufern ist die mehrmals im Jahr über längere Zeiträume überflutete Weichholzaue, bestehend aus Weiden und Pappelarten. Die notwendige bestandsprägende Gewässerdynamik wurde hier nicht durch flussbauliche Maßnahmen eingeschränkt. Die Weichholzaue als Lebensgrundlage vieler geschützter Arten ist selbst auch geschützter Lebensraumtyp gemäß der FFH-Richtlinie. Silberweiden mit ihren knorrigen, oft hohlen Stämmen bieten hier Nist- und Zufluchtsstätten für viele Vogel- und Insektenarten.    Weichholzaue
  Weichholzaue, Foto: Horst Hartmann

Auch findet man Kopfweiden – Weiden, deren Stämme als Jungbaum auf einer Höhe von etwa 1 bis 3 Metern gekürzt wurden und deren Zweige in der Folge regelmäßig beschnitten werden.

Die Hartholzaue

Hartholzaue  

Hartholzauen sind auf periodische Überflutungen angewiesen. Da die natürlichen Überschwemmungsgebiete an Flüssen durch menschliche Eingriffe um 90 Prozent verkleinert sind, ist die Hartholzaue ein gemäß der FFH-Richtlinie besonders geschützter Lebensraum. Sie ist geprägt durch Stieleiche, Ulme und Esche, sowie einer Kraut- und Strauchschicht.

Das Gebiet Kühkopf-Knoblochsaue beherbergt die größten zusammenhängenden Auenwälder am Oberrhein.

Hartholzaue, Foto: Horst Hartmann  

Typische, gefährdete und daher geschützte Arten der Hartholzaue sind u. a. Käfer wie Eremit, Hirschkäfer und Heldbock.

Der Eremit ist nur in Europa verbreitet und mittlerweile selten, da er nur noch sehr bedingt die für ihn notwendigen Lebensräume vorfindet. Als schlechter Flieger ist er nur beschränkt ausbreitungsfähig und auf ein engmaschiges Netz von Trittsteinen in Form von totholzreichen Laubwäldern, wie z. B. die im Gebiet vorhandenen Kopfweiden, angewiesen. Er führt ein weitgehend verborgenes Leben in Baumhöhlen. Bevorzugt werden große Höhlen, wie sie alte Laubbäume bieten, was ihn zu einer Charakterart sehr naturnaher, urständiger Wälder macht.   Eremit
 

Eremit, Foto: Oskar Gran/Flickr(CC BY-NC-ND 2.0)

Direkte Beobachtungen der ausgewachsenen Käfer sind selten, da nur ein Bruchteil der Tiere (nur ca. 15 Prozent) jemals die Bruthöhle verlässt.

Hirschkäfer   Heldbock
Hirschkäfer, Foto: Universität für
Bodenkultur Wien/Flickr(CC BY-NC-ND 2.0)
  Heldbock, Foto: gbohne/Flickr(CC BY-NC-ND 2.0)

Hirschkäfer und Heldbock kommen nebeneinander in alten Eichenwäldern mit hohen Totholzanteilen vor, so auch auf dem Kühkopf. Der Heldbock verbringt den größten Teil seiner Lebenszeit, bis zu 5 Jahren, als Larve im stehenden Holz alter, absterbender Eichen. Das voll entwickelte Tier lebt nur ca. 50 Tage. Dabei ernährt es sich vom Saftfluss der Eichen, verpaart sich und legt seine Eier ebenfalls in die Rinde alter Eichen. Von dort aus bohren sich die Larven in das Eichenholz ein.

Auch der Hirschkäfer verbringt den größten Teil seiner Lebenszeit als Larve. Bis zu 8 Jahren verbringen die zum Schluss ca. 10 cm langen Larven in den Wurzeln alter Eichen. Die erwachsenen Tiere leben nur etwa 30 Tage.

Waldsukzession: Vom Acker zur Hartholzaue

Nachdem im Frühjahr 1983 wieder die Hochwasserdämme brachen und das komplette Gebiet des Kühkopfes überflutet wurde, wurden die Dämme nicht mehr instandgesetzt. Dadurch sind ca. 400 ha Ackerland und ca. 300 ha Wald wieder der natürlichen Überflutungsdynamik des Rheins ausgesetzt. Unter Waldsukzession versteht man eine natürliche und unbeeinflusste Wiederbewaldung von bewirtschafteten Flächen. Zunächst verbreiteten sich überwiegend die schnell wachsenden Weiden und Pappeln auf den nicht mehr bewirtschafteten Feldern. In vorhandenen Lücken wuchsen später vereinzelt Straucharten und andere Baumarten wie z. B. die Stieleiche.

Durch die Überflutungen siedeln sich auch seltene und bedrohte Arten an, die auf wechselnde Wasserstände angewiesen sind. Im Verlauf dieser natürlichen Sukzession entsteht somit eine Hartholzaue.

Der Kammmolch

Die auentypischen Gewässer kommen der Population des Kammmolchs zugute. Er ist ein wahrer Riese unter den Molchen – die Männchen können bis 15, die Weibchen bis 18 cm lang werden! Der Kammmolch ist meist nachtaktiv und führt eine versteckte Lebensweise. Für ihn optimale Gewässer weisen einen ausgeprägten Ufer- und Unterwasserbewuchs auf und sind frei von räuberischen Fischen. Wichtig sind gute Sonneneinstrahlung und ein reich gegliederter Gewässergrund. Der Landlebensraum befindet sich idealerweise in unmittelbarer Nachbarschaft der Laichgewässer und ist reich an Versteckmöglichkeiten.   Kammmolch
  Kammmolch (Triturus cristatus), Foto: Jürgen Mangelsdorf/Flickr(CC BY-NC-ND 2.0)
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Natura Trail Flyer - Kühkopf0.84 MB

Interessante Links

Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald